Jun 23, 2015 - 2 Comments - Meinungsmacher -

Solarium, Selbstbräuner & Co. aus der Sicht eines Halbvampires.

sommerbraune

Tatsächlich habe ich sehr, sehr helle Haut. Vor ein paar Wochen ist mir etwas sehr seltsames passiert: Ich wurde braun. Und zwar so braun, dass mich meine Kollegen fragten, ob ich im Urlaub war. Das passiert mir normalerweise nie. Eigentlich lag nur ein langes Festivalwochenende hinter mir, dass ich fast komplett im Freien verbracht hatte. So richtig Sonnenbrand hatte ich außnahmsweise auch nicht. Also eigentlich vollkommen schonend, gesund gebräunt. Denkste. Ein paar Tage später (schält sich meine Haut und) ich lese in einer Zeitschrift „Auch Bräune, die ohne Sonnenbrand zu Stande kommt, schadet der Haut. ‚Gesunde Bräune‘ ist ein Wiederspruch in sich“. (Ich hab’s recherchiert, renommierte Forschungsinstitute sagen das Selbe.)

Aber braun gebrannte Haut wirkt hierzuland eben einfach sportlich, frisch, gesund und attraktiv. Aber wie lange eigentlich noch? Mit jeder Sonneneinstrahlung wächst das Krebsrisiko und es ist nicht abwägig, dass man sich im Alter dann den „weißen Krebs“ über mehrere Arztsitzungen rausschneiden lassen muss. Hört sich schon mal nicht mehr ganz so gesund an. Okey, chinesische Bleichungsmethoden um dem westlichen Vorbild zu entsprechen auch nicht. Aber warum akzeptieren wir uns nicht einfach, wie wir sind? So wie es uns Frauenzeitschriften ständig prädigen?

Naja, bis in ferner Zukunft die ersten Anzeichen von Krebs erscheinen, kann ich mir ja noch lange genug die Haut im Solarium bruzeln und mich unbedacht in die pralle Sonne legen. Dann seh ich mit Ende 20 zwar aus, wie mit Anfang 40 aber bin für’s erste zumindest schön braun. (Und insgeheim will man mit 20 ja ohnehin lieber älter aussehen.)

Wenn ihr ausseht wie ein Halbvampir oder ein Informatiker, der nach stundenlangem Programmieren mal kurz für einen Kaffee aus seinem Keller gekrochen kommt, dann nehmt das als „Haut weiß wie Schnee“ und nicht als „Kreidebleich“ hin. Vor kurzem saß ich im Wartezimmer und blätterte durch eine Kampagne, die für ungebräunte Haut warb. Mit Blonden Models, die Haare im Beach Look auf rießigen Felsen im tiefblauen Meer. Wahnsinnig schöne Bilder, die alle einen kühlen, aber sehr natürlichen Look ausstrahlten.

Liebe Mode- und Beautyindustrie, wir alle nehmen euch sehr ernst. Manchmal zu ernst. In jeder Sommerausgabe finde ich zigtausend Mittel und Tipps um brauner zu werden. Warum gebt ihr uns nicht mehr dieser Kampagnen à la „Gesunde Blässe ist königlich“ oder „20 Tipps um die Haut wirklich vor der Sonne zu schützen“? Warum sagt ihr nicht einfach, dass Kleidung nur einen durchschnittlichen Lichtschutzfaktor von LSF 15 hat oder dass man mit LSF 30 eben nicht unbedingt 3 Stunden in der Sonne verbringen kann?

Und um noch eines klarzustellen: Dies ist kein Artikel, der zu Rassismus oder gegen Dunkelhäutige aufruft. Im Gegenteil, nur (Nord-)Europäer sind in der Regel einfach nicht dafür gemacht mehrere Stunden in der prallen Sonne zu verbringen. Ob mit oder ohne Sonnenbrand. Wer sich trotz allem einen sommerlichen Teint wünscht, sollte sich erstmal schlau machen, vielleicht mit dem Hautarzt sprechen, wie viel Sonne man mit dem jeweiligen Hauttyp verträgt und im Zweifel lieber Selbstbräuner verwenden. Und wenn ihr ständig gefragt werdet: „Alles klar bei dir? Du siehst so bleich aus…?“ Dann sagt nächstes Mal einfach „Ja und bei dir?“ und rennt nicht gleich ins nächste Solarium.

Viele Nützliche Tipps zum Thema Sommerbräune findet ihr hier:
Zum Stern-Artikel von Angelika Unger

2 Kommentare zu Solarium, Selbstbräuner & Co. aus der Sicht eines Halbvampires.

  1. Thomas

    Hallo Lisa,
    braune Haut galt Jahrhunderte lang als sicheres Indiz für für einen Bauern. Das war alles andere als ein Kompliment. Aber auch damals schützte man sich so gut es ging vor Sonne. Man hatte Strohüte und vermutlich auch immer langärmelige Kleidung. Oben ohne im Freien zu arbeiten fiel vermutlich erst den Bauarbeitern des letzten Jahrhundert ein. Auch in den Jahrhunderten davor ist sicher nicht jeder, der im Freien arbeitete an Hautkrebs gestorben. Die Bräunung der Haut ist nach meiner Erfahrung auch eine Sache der Gewöhnung an die Sonne. Schlimm ist es, sich mit weißer Haut in die Sonne zu legen, z. Bsp. wenn man in den Süden fliegt. Lässt man sich allerdings schon im Frühling von den ersten Sonnenstrahlen leicht vorbräunen, hat die Haut Gelegenheit, Pigmente einzulagern und bekommt auch später nicht so schnell einen Sonnenbrand. Trotzdem habe ich mir inzwischen auch angewöhnt, mich einzucremen wenn ich weiss, dass ich länger im Freien arbeite. Ganz praktisch, wenn auch nicht billig ist dieses Produkt, das es in der Apotheke gibt:

    http://www.daylong.de

    Einmal aufgetragen und gut ist. Ansonsten trägt UV-Schutz-Kleidung auch noch zum guten Gewissen bei. Wenn ich die Wahl habe, ein T-Shirt oder ein anderes Teil zu kaufen, das mir auch gefällt und zusätzlich einen UV-Schutzfaktor zu haben, greife ich da zu. (Die Australier machen’s vor.)

    Und was den braungebrannten Taint angeht – der ist doch längst nicht mehr in, nachdem das Ozonloch erfunden und das Wissen über die unterschiedlichsten Hautkrebsarten allgemein bekannt wurden.

    Viele Grüße

    Thomas

    24 Jun 2015 - Antworten
    • Lisa

      Hallo Thomas,
      vielen Dank für dein sehr hilfreiches und humorvolles Kommentar! Ich selbst musste auch schon zu Sonnenmilch aus der Apotheke greifen, weil LSF 30 einfach nicht ausreichte. Überaschenderweise war die Milch auch nicht halb so klebrig wie mein Transparenzspray aus der Drogerie. Nach wie vor glaube ich aber, dass das Bewusstsein wie sehr die Sonne der Haut schaden kann, bei jüngeren Generationen noch nicht richtig angekommen ist :( ich hoffe aber, dass solche Produkte, wie auch UV-Schutzkleidung in den nächsten Jahren immer häufiger auf dem Markt auftauchen und uns daran erinnern.

      Liebe Grüße,
      Lisa

      19 Jul 2015 - Antworten

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