Sep 02, 2015 - 2 Comments - Lebensstil -

Warum es sich lohnt mit dem Auto in den Urlaub zu fahren

Fliegen kann so einfach sein und vor allem so schnell. Innerhalb kurzer Zeit hast du hunderte Kilometer überflogen und kannst dir dein Reiseziel bei guter Sicht zu allererst von oben ansehen. Aber: „Mit dem Flugzeug erlebst du keine Abenteuer“, es sei denn man heißt Luke Harding, aber das ist wohl eher die Ausnahme. Diesen Satz jedenfalls bekam ich zu hören, als mich meine beste Freundin dazu überredete, mit ihr nach Südfrankreich zu fahren und sie behielt nicht ganz Unrecht.

Leider hatte ihr kleiner Lupo keine tüchtige Radioantenne und im CD-Fach klemmt – ganz im „How-I-met-your-mother“-Stil eine CD fest und will sich bis heute nicht lösen. So hat man entweder die Wahl 15 Stunden AC-DC zu hören oder selbst ein Lied anzustimmen. Ich wollte uns die Stimmung nicht verderben und nahm deshalb meinen mobilen Lautsprecher mit. So oder so, wer mit dem Auto in den Urlaub fährt entdeckt irgendwann dieses eine Lied, dass einen die ganze Fahrt über begleitet. Unseres war „Sur la pont d’Avignon“ und weil die Brücke von Avignon so einzigartig ist, machten wir dort einen Zwischenstop und blieben für eine Nacht. Nach diesem ersten Tag und zahlreichen Staus kamen wir am zweiten Tag endlich am Meer an. Bereits jetzt war uns klar: der Fahrstil der Franzosen war nicht ganz ungefährlich.

Trotz allem war ich aber froh, dass wir das Auto dabei hatten. Ich weiß noch, wie ich am ersten Morgen im Zelt aufwachte, es hatte sich bereits in der Morgensonne auf über 30° Grad erhitzt, ich sah zu meiner Freundin rüber, die ebenfalls mit den Augen blinzelte, uns beiden wurde bewusst, dass wir gerade verdunsten, ich rief „Raus hier!“ und wir purzelten fluchtartig, beinahe zeitgleich aus dem Zelt. Es war nicht auszuhalten. So lief es dann fast jeden Morgen ab. Wir versuchten die einigermaßen erträglichen Stunden am Morgen zu nutzen um uns die schöne Gegend anzusehen, aber am Mittag war es so heiß, dass wir nichts anderes tun konnten, als ans Meer zu fahren. Ich weiß gar nicht, wie wir das alles ohne Auto bewältigt hätten. Die vielen kleinen Fischerdörfer, wie auch Saint Tropez hätten wir uns jedenfalls nicht ansehen können.

Am letzten Tag ist dann aber doch noch etwas ziemlich Kurioses passiert: Ein Franzose sprang uns an einer roten Ampel vor’s Auto und begann die Scheibe zu wischen. Ich versuchte ihn mit Handzeichen abzuwimmeln aber er verstand nicht. Meine beste Freundin schrie, ich solle die Scheibe raufkurbeln, dann, ich solle sie wieder runterkurbeln und ihn bezahlen, sodass er aufhört. Ich fand unser Geld nicht und da die Fensterkurbel abgebrochen war, war auch das Kurbeln schwierig. Hektik brach aus. Dann wurde Gott sei Dank die Ampel grün und wir konnten flüchten.

Die Rückfahrt war eine Odysee, eine Abenteuer, wie mir vorausgesagt wurde. Nach 8 Nächten im Zelt und 9 Tagen mit durchschnittlich 35° Grad im Schatten waren wir so ausgelaugt, dass keiner von uns länger als drei Stunden am Stück fahren konnte. Uns triefte das Wasser von der Stirn und unser Auto hatte mittlerweile eine tropische Klimazone und ein eigenes Vegetationssystem entwickelt. Eine fette, französische Ameise reiste mit uns bis über die deutsche Grenze. Also wechselten wir uns fleißg ab, während der andere schlief. Kurz vor Lyon gab es dann ein rießen Chaos vor der Mautstelle. Bis heute weiß ich nicht, was los war, aber die Franzosen hupten unaufhörlich und wir hupten fröhlich mit. Wir brauchten eine Stunde, bis wir den Stau vor der Mautstelle durchquert hatten. Danach wollte ich einfach nur noch nach Hause aber wir kamen kaum voran. Rechtsfahrgebot ist in Frankreich ein Fremdwort und so fuhren alle Autos gleichmäßig auf drei Fahrspuren verteilt mit 80 Sachen und keiner kam voran. Als ich wieder an der Reihe war, zu fahren, wollte es zumindest noch über die Grenze schaffen und dann wäre es nicht mehr weit, aber 50km vor Mulhouse (während meine Beifahrerin längst schlief) tippte mir der Sandmann auf die Schuler und appelierte an meine Vernunft, nicht weiter zu fahren. Wir fanden kein Motel mehr und so blieb uns nichts anderes übrig, als im Auto zu übernachten. „Soll ich den Wecker stellen?“ fragte meine Freundin und ich überlegte, ob sie die Frage ernst meinte. Noch während ich mein Kissen zurecht rückte fiel mein Kopf hinein und der Schlaf überfiel mich. Einige viele Stunden später weckte mich ein Aufschrei: „WACH AUF! WIR HABEN VERPENNT!!“ Alles klar. Raus aus dem Auto. Tür auf. Aussteigen. Scheiße Schlafsack. Ich versuchte mich zu entwurmen, machte mich danach mit ein paar Übungen fit. Dann ging es weiter.

Nach 23 Stunden und 20 Minuten in einem kleinen Lupo mit französischer Ameise, abgebrochener Fensterkurbel und AC/DC im Radiofach rief meine vom Sonnenstich geplagte Beifahrerin:“Riechst du diese Luft Lisa? Das ist deutsche Luft!“ und wir waren endlich da.

 

2 Kommentare zu Warum es sich lohnt mit dem Auto in den Urlaub zu fahren

  1. Thomas Kottal

    Richtig amusant zu lesen und tolle Bilder mit dem warmen Licht des Mittelmeeres.

    LG Gabi und Thomas

    3 Sep 2015 - Antworten

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